Im Hotel Vienna House Easy in Castrop-Rauxel schallte es durch den Tagungssaal: „Die Kinder sind das Wichtigste!“. Am Kopf des Raumes stand Angelika Kirstein, Gründerin und Geschäftsführerin des Kinderhauses Rasselbande. Mit ihrer Rede, die den Fachtag eröffnete, wollte sie aufrütteln, die Sinne schärfen und den Fokus auf das Wesentliche legen: die Kinder.
Mehr als 40 Erzieherinnen und Erzieher aus den Kinderhäusern in Castrop-Rauxel, Vreden, Ahaus, Gelsenkirchen und Moers haben sich bei dieser internen Fachtagung versammelt, um über das pädagogische Konzept in den Häusern zu sprechen. Als Geschäftsführerin möchte Angelika Kirstein „back to the roots“: ein deutlicheren Fokus auf Bindung legen, das Spielen ins Zentrum stellen, das Kind dort abholen, wo es ist, statt es in eine Richtung zu bewegen. Beziehung & Entwicklung statt Belehrung & Leistung – die Erzieherinnen und Erzieher sind die Lebensbegleiter der Kinder.
Lernen durch die eigene Erfahrung
Als theoretischer Überbau dient der „situationsorientierte Ansatz“ von Prof. Dr. Armin Krenz. Dieser stellt das wahre Leben der Kinder in den Mittelpunkt der Kita. Statt einem starren Strukturen zu folgen, schaut man genau hin, was die Kinder im Alltag beschäftigt, bewegt oder bedrückt. Kinder lernen am besten durch eigene Erfahrungen, Gefühle und durch das eigene Handeln. Die Erzieherinnen und Erzieher beobachten die Kinder aufmerksam und machen aus deren Fragen und Erlebnissen spannende Projekte, wie z. B. den Bau einer Kinderstadt. So lernen die Kinder fürs Leben, verstehen ihre Umwelt besser und dürfen im Kita-Alltag aktiv mitbestimmen.
Damit die Erzieherinnen und Erzieher sich mit dem Ansatz vertraut machen könnten, hatten sie im Vorfeld eine Aufgabe bekommen. Sie sollten Themen wie „gewaltfreie Kommunikation“, „Spielen“, „Erfahrungsräume“ oder „Neugier“ aus dem Standardwerk „Was Kinder brauchen“ von Prof. Krenz bearbeiten. Wie sie die Ergebnisse der Ausarbeitung präsentierten, war ihnen freigestellt. So spielten manche Gruppen eine Szene aus dem Kindergarten-Alltag nach, um ihre Resultate darzustellen. Andere arbeiteten mit Plakaten an der Stellwand, um die Themen den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorzustellen. Anschließend gab es noch Zeit und Raum, um sich gegenseitig auszutauschen, auch über die Grenzen der Häuser hinweg. Der Tag endete mit einer Feedback-Runde.
„Es war wieder so schön zu sehen, dass wir häuserübergreifend ein großes Team sind. Alle, die da waren, unabhängig vom Alter oder der eigenen Biographie, brennen für ein großes Thema: den Kindern eine schöne Zeit zu ermöglichen“, sagte Erzieherin Jenny aus Vreden. Geschäftsführerin Angelika Kirstein sagte abschließend: Auseinandersetzungsprozesse lebendig zu halten, ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Den Menschen, die für mich arbeiten, erlaube ich schon seit langem, sich von Bewertungen zu befreien und den Blick auf das Finden gemeinsamer Lösungen – vor allem mit den Kindern – zu fokussieren. Das soll die Leidenschaft in den Menschen wecken, das Leben mit Kindern und nicht für sie zu gestalten.