Zur Eröffnung des Fachtages des Kinderhauses Rasselbande führte Geschäftsführerin Angelika Kirstein ein Rollenspiel auf, dass die Irritationen eines Kindes lebhaft darstellte.
Dass unsere Arbeit auf dem Situationsorientierten Ansatz beruht, ist für das Kinderhaus Rasselbande weit mehr als ein Konzept auf dem Papier. Dieser Ansatz stellt das einzelne Kind mit seinen Erlebnissen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt und knüpft die pädagogische Arbeit an das an, was die Kinder tatsächlich bewegt.
Umso mehr freut es uns, dass Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz, Honorarprofessor für Entwicklungspsychologie und Elementarpädagogik (a.D.) – der Entwickler des Situationsorientierten Ansatzes – die Aufführung verfolgte und uns anschließend seine Gedanken dazu aufgeschrieben hat. Seinen Kommentar möchten wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten – vielen Dank an Prof. Krenz!
Die Elementarpädagogik in Deutschland hat sich seit drei Jahrzehnten immer stärker in Richtung einer ‚Kaderschulung‘ entwickelt, in der Kinderräume zunehmend eingeengt, Kinderzeiten zerrissen und Kinderwelten organisiert wurden/ werden und damit wird vielen Kindern immer stärker und unaufhörlich ihre Kindheit geraubt.
Sie haben nun einen Fachtag durchgeführt, um einerseits diese Problematik zu thematisieren und andererseits dafür ein Bewusstsein zu schaffen und dafür Sorge zu tragen, dass in Ihren Kinderhäusern diese Spirale keinen Platz findet, indem Sie der Frage nachgegangen sind, WAS KINDER BRAUCHEN und nicht was Erwachsene – Eltern und die meisten ErzieherInnen – aus persönlich geprägten Vorstellungen und Wünschen den Kindern an Erwartungen überstülpen.
In dem Einführungsrollenspiel haben Sie in einer sehr deutlichen Weise gezeigt, wie Erwachsene mittels ihrer adultistisch geprägten Sprache die Seelenlandschaft von Kindern durcheinanderbringen – und das mit einer nicht selten lebenslanger Auswirkung. Und in Ihrer Anmoderation – vor einer intensiven Gruppenarbeit und einer problemoffenlegenden Diskussion – haben Sie mit viel Engagement und Klarheit zum Ausdruck gebracht, dass KINDER mit ihren Entwicklungsbedürfnissen ein Recht darauf haben, bei den Erwachsenen auf authentische, kindorientierte EntwicklungsbegleiterInnen und nicht auf funktional sowie ständig bildungsdidaktisch denkende und handelnde ErzieherInnen zu treffen.
Ihr Ziel war es, die bedeutsamen Haltungs- und Arbeitsmerkmale für eine real kindorientierte Pädagogik in ihrer ganzen Vernetzung, so wie es der „Situationsorientierten Ansatz“ – auch wissenschaftlich belegt – zeigt, auf den Punkt zu bringen, um eine Pädagogik für Kinder und auch partizipatorisch mit Kindern umzusetzen, die ganzheitlich, entwicklungsförderlich und damit gegenwarts- sowie bedürfnisorientiert geprägt ist.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Mut, um sich gegen unberechtigte Ansprüche zur Wehr zu setzen, viel Wahrnehmungsoffenheit und Kraft, um die anspruchsvollen Merkmale des Situationsorientierten Ansatzes in ihre Pädagogik zu implantieren und beizubehalten, eine nie enden wollende, tägliche Bereitschaft, die STÄRKEN der Kinder zu sehen und diese zum Ausgangspunkt ihrer Entwicklungsbegleitung zu erklären und schließlich ein hohes Maß an Bereitschaft, Pädagogik auch als ein bedeutsames Selbsterfahrungsfeld zu verstehen, denn wie schon John C. Maxwell einmal sagte: „Du kannst den anderen nur soweit bringen, wie du selbst gekommen bist“, beginnt eine ganzheitlich und humanistisch geprägte Pädagogik immer mit der Entwicklung der eigenen Person.